Thomas Käpernick: Frühe deutsche Spaßgesellschaft
In »Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus« legt Wolfgang Kraushaar die Indizien und Aussagen vor, die auf den Kopf der Tupamaros Westberlin, Dieter Kunzelmann, verweisen. Kraushaar hat den damaligen Bombenleger Albert Fichter, der im Auftrag Kunzelmanns gehandelt habe, ausfindig gemacht und zum Sprechen gebracht.
Nach den Recherchen Kraushaars ist offensichtlich, dass Kunzelmann hier die eigene Geschichte geschönt hat. Sollten die von Kraushaars Zeugen kolportierten Zitate stimmen, vertrat Kunzelmann damals einen aggressiven Antisemitismus. Daniel Cohn-Bendit soll von ihm bei einem Besuch in der Kommune 1 mit den Worten »kleines Judenschwein« empfangen worden sein.
Im Jahr 1970 war München schon einmal im Brennpunkt des Terrors, damals ereigneten sich eine Flugzeugentführung, ein Brandanschlag auf das Israelitische Gemeindehaus und Bombenattentate auf zwei Flugzeuge, bei denen insgesamt 47 Menschen in den Tod gerissen wurden. Der Hamburger Historiker Wolfgang Kraushaar möchte in seinem neuen Buch "Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel? Über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus" zeigen, dass eine der Taten möglicherweise aus dem Umfeld einer Gruppe deutscher Linksradikaler heraus verübt wurde. Von hier sollen Verbindungslinien zu palästinensischen Terrororganisationen geführt haben. Warum, so fragt der Autor, wurden die Täter nie vor Gericht gestellt, obwohl die meisten von ihnen verhaftet worden waren? Wie konnte es trotz der Ereignisse vom Februar 1970 noch zur Geiselnahme zwei Jahre später während der Münchner Olympiade kommen?