Über die RAF ist viel publiziert worden. Gleichwohl, so Wolfgang Kraushaar, gibt es in mancher Hinsicht noch oder wieder offene Fragen, umstrittene Deutungen oder widersprüchlich scheinende Fakten. Ihnen wendet er sich in diesem Buch zu.
Klett Cotta: "Der Deutsche Herbst im Jahre 1977 bildet die düsterste Epoche der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Wolfgang Kraushaar, der beste Kenner dieser Zeit, wirft neue Fragen auf und gibt neue Antworten. Terrorismus tritt uns heute als Phänomen der unmittelbaren Gegenwart entgegen. Doch schon einmal hat Terror die Bundesrepublik in Atem gehalten. Die Greueltaten der RAF haben im Herbst 1977 mit der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer und der Entführung des Flugzeugs »Landshut« ihren Höhepunkt erreicht. Doch die Gewalt der RAF hat ihre Vorgeschichte in der Frühphase der scheinbar eher harmlosen 68er-Bewegung. Ihre Protagonisten, die sich als anti-bürgerliche Heroen stilisierten, sind zugleich tief verwurzelt im deutschen Nachkriegsbürgertum. Weit über die rätselhafte Todesnacht von Stammheim, in der sich das Führungstrio Baader, Ensslin und Raspe selbst tötete, agierte die RAF bis tief in die 1990er-Jahre und führt sogar bis heute ein Nachleben. Von der Vorgeschichte, den entscheidenden Ereignissen, den ideologischen Grundlagen bis zu den Folgen des Terrors der RAF. "
Wolfgang Kraushaar gilt als Chronist der 68er und einer der wichtigsten Extremismusexperten. Warum er RAF-Vergleiche mit der »Letzten Generation« für abwegig hält – und eine Bedrohung von der bürgerlichen Mitte ausgeht.
Die Flammen züngelten in der Nacht vom 2. zum 3. April 1968 im Kaufhaus M. Schneider in der Zeil. Wenig später gab es Feueralarm im Kaufhof. Kein Kurzschluss, kein Kabelbrand, sondern selbstgebastelte Brandsätze hatten die Kaufhausbrände in Frankfurtausgelöst. Schon einen Tag später nahm die Polizei die Brandstifter fest - vier junge Linksaktivisten, unter ihnen Andras Baader und Gudrun Ensslin. Ihre Gesichter werden wenige Jahre später überall in der Bundesrepublik auf Fahndungsplakaten zu sehen sein. Karte: Hier verübte die RAF Terror-Anschläge in Hessen: Die vier begründeten die Brandanschläge als Fanal gegen den Vietnamkrieg und amerikanische Kriegsverbrechen. Im Strafprozess argumentierten sie später, sie hätten die Brandsätze nachts gezündet, um keine Menschenleben zu gefährden. Tatsächlich wurde niemand verletzt. Aber es entstand hoher Sachschaden. Die Brandstifter wurden zu Haftstrafen verurteilt. Waren die Frankfurter Kaufhausbrände der Wendepunkt, an dem sich die Protestbewegung spaltete und ein kleiner Teil den Weg in den Terrorismus und Untergrund einschlug? Der Hamburger Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, der seit Jahren zur Geschichte der RAF (Rote Armee Fraktion) forscht, ist da skeptisch. «Das halte ich für eine Überinterpretation», sagt er. «Gleichwohl ist es ein Fanal gewesen und etwas, womit deutlich gemacht worden ist: Hier wird nicht einfach ein symbolischer Akt verübt, sondern einer, der mit einer erheblichen Gewalt und Gefährdung verknüpft ist. Insofern ist es nicht ganz falsch, das in Relation zur späteren RAF zu betrachten.» Im Rahmen der 68-er Proteste waren die Kaufhausbrände ein singuläres Ereignis, betont Kraushaar. Brandstiftung habe nicht zu den Methoden der Protestkultur gehört. «Das stieß auf erhebliche Ablehnung beim damals wichtigsten Studentenbund, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Die Mehrheit der damaligen 68-er-Bewegung hat es vollständig abgelehnt, so etwas zu machen und war damit absolut nicht einverstanden.» Dass Baader und Ensslin mit den Kaufhausbränden schon den Weg in den Untergrund einschlugen, bezweifelt Kraushaar. Vielmehr habe Horst Mahler, einer ihrer Anwälte, die beiden in Italien aufgesucht, wohin sie sich abgesetzt hatten, um nicht ihre Reststrafe absitzen zu müssen, und zur Rückkehr nach Berlin aufgefordert. Im Februar 1970 kehrten Bader und Ensslin zurück. «Das ist der entscheidende Punkt gewesen. Dadurch nahm das Fahrt auf und mündete in die Gründung der Roten Armee Fraktion», sagt Kraushaar. Das Ende ist bekannt: Attentate, Entführungen, Morde, der «deutsche Herbst» als Höhepunkt der RAF-Terrorwelle. Und die Frankfurter Spuren der Kaufhausbrände? «Das Kaufhaus M. Schneider gibt es nicht mehr», sagt der Frankfurter Stadtführer Sascha Ruehlow, der unter anderem eine Tour zu den Orten der 68-er Revolte sowie zu den Spuren der RAF anbietet. «Aber der Kaufhof ist noch das gleiche Gebäude, nur mittlerweile mit mehr Glasfassade.» Das Interesse sei jedenfalls anhaltend groß - die Touren mit jeweils 35 Besuchern seien jedes Mal ausgebucht. «Es gibt viele ältere Leute, die bei mir mitlaufen», sagt Ruehlow. «Das ist dann die Großeltern-Generation, die ihren Enkeln was mitgeben wollen aus ihrer Zeit als Student oder Auszubildender.» Bei Themen wie den 68-ern oder RAF gebe es während der Touren «schon sehr kontroverse Diskussionen», berichtet der Stadtführer. «Die Quintessenz ist oft: Die 68-er und die Kaufhausbrände, da hätte ich mich schon mit identifizieren können - aber wo fängt dann Radikalität und Illegalität an? Und wo ist der Zeitpunkt, wo jemand sagt: Da steige ich aus?» Video: So läuft die Methadonsubstitution im Frankfurter Bahnhofsviertel [ Testen Sie jetzt hier das digitale Abo der FNP und ihrer Regionalausgaben für nur 5,90 €. ]
Die ostdeutschen Bundestagsabgeordneten der CDU fordern, dass die Aufnahme von RAF-Terroristen in der DDR in den 80er Jahren besser aufgearbeitet werden soll. Das geht aus der 'Berliner Erklärung' hervor, die die ...
Auch ein halbes Jahrhundert und viele Kontroversen später ist das Kapitel „68“ einer historischen Gesamtdarstellung zwar um einiges nähergekommen, jedoch ble...
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar über Ziele und Bedeutung der RAF, die Reaktionen der Regierenden auf den Terror – und warum die RAF auch heute noch teilweise überschätzt wird.
Sie werden die "RAF-Rentner" genannt: Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg leben im Untergrund. Mit bewaffneten Raubüberfällen verdienen sie sich offenbar ihren Lebensunterhalt. Die Polizei hat die Fahndung nun neu ausgeschrieben. <em>Von Angelika Henkel und Stefan Schölermann.</em>
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, der seit Jahrzehnten zu 68er-Bewegung, Radikalisierung und RAF forscht, hat ein neues Buch geschrieben. Auf NDR Kultur spricht er darüber.
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, der seit Jahrzehnten zu 68er-Bewegung, Radikalisierung und RAF forscht, hat ein neues Buch geschrieben. Auf NDR Kultur spricht er darüber.
Die DDR nahm in den 80er Jahren RAF-Terroristen auf. Dieses Kapitel in der deutschen Geschichte muss besser aufgearbeitet werden, fordern die ostdeutschen Bundestagsabgeordneten der CDU.
Über die RAF ist viel publiziert worden. Gleichwohl, so Wolfgang Kraushaar, gibt es in mancher Hinsicht noch oder wieder offene Fragen, umstrittene Deutungen oder widersprüchlich scheinende Fakten. Ihnen wendet er sich in diesem Buch zu.
Auch 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst sind nicht alle Motive der RAF-Terroristen geklärt. Zu den jüngeren Forschungsergebnissen gehört, dass bei der Radikalisierung auch die protestantische Sozialisation eine Rolle spielte. "Es war kein Zufall, dass so viele Linksterroristen aus evangelischen Familien stammen", sagt RAF-Forscher Wolfgang Kraushaar.
Audio Sachbuchgespräch "Die blinden Flecken der RAF": Der 28 Jahre dauernde Kampf mit dem RAF-Terrorismus ist nicht spurlos an der Bundesrepublik Deutschland vorbeigegangen. Der als Chronist der RAF und der 68er-Bewegung bekannte Wolfgang Kraushaar analysiert in seinem neuen Buch "Die blinden Flecken der RAF".
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