Liebe Kollegen, sehr geehrter Herr Ehrsam

Ich danke Herrn Ehrsam dafür, dass er diesen Punkt hervorgebracht hat und würde dazu gerne ein paar Gedanken dazu äussern.

 

Ich denke hier sollten wir mal die Bibliothek aufteilen in zwei Bereiche (einfachheitshalber, in Wahrheit spottet dies jeder Bibliothek)

 

Bereich 1.: die Zuverfügungstellung von Informationen. Dieser Bereich wird mehr und mehr ins digitale wandern. Natürlich wird dadurch die Bibliothek als Hort der physischen Präsenz von Büchern an Bedeutung verlieren. Andererseits, müssen auch digitale Informationen erfasst und so aufbereitet werden, dass sie möglichst einfach zu finden und nutzen sind. Wir können natürlich versuchen die Bibliothek in ihrer traditionellen Form möglichst zu erhalten und dabei in starkem Masse Energie binden (und letztlich scheitern, weil die Nutzer letzen Endes doch die digitalen Medien nutzen werden). Oder wir können daran arbeiten, eine Vielzahl an Informationen und Informationsquellen so zu erschliessen und zu verarbeiten, dass die Bevölkerung, oder besser "der Steuerzahler", einen möglichst grossen Nutzen darin sieht (Zugegebenermassen, muss dies auch so nach Aussen kommuniziert werden). Den eins sollte einem auch heute noch klar sein, auch ein Google kann immer nur so viel, wie im Daten zur Verfügung steht. Und die Frage hier ist, werden wir als "die Typen" gesehen, die dem Fortschritt im Wege stehen bzw. in behindern oder die Leute die dem Fortschritt helfen und einer möglichst grossen Bevölkerungsschicht helfen diesen zu nutzen?

Wir alle sind an dieser Entscheidung beteiligt, ob wir irgendwann zur alten Garde gehören oder zur digitalen Gesellschaft.

 

Bereich 2.: Erhaltung von Informationen und Informationsträgern (wobei aus historischer Sicht auch Informationsträger selbst Information sein können). Hier dürfte jedem klar sein, dass jeder Informationsträger, der nicht ausgeliehen wird, der nicht im Lesesaal genutzt wird und konstant unter günstigen Bedingungen gelagert wird (ein Buch, das garantiert nicht Benutzt wird, kann man kühler lagern, als ein Buch, das jederzeit aus seiner lebensverlängernden Umgebung gerissen werden könnte) länger erhalten bleibt. Und hier sind Digitalisate ein Geschenk. Ein Digitalisat vergilbt nicht, es reiss nicht, es wird nicht abgenutzt. Aber eins sollte uns immer klar sein, ein Digitalisat ist nichts für die Ewigkeit (manchmal nicht mal für die Ewigkeit der IT, c.a. 5 Jahre), durch gute Backups und regelmässige Konvertierung, mag man das Leben der digitalen Informationen verlängern können, aber sie werden nie so lange halten, wie ein gut verarbeitetes Buch bzw. ein anderes analoges Medium. Kurz, das beste Backup ist analog. Hier wird mit Sicherheit irgendwann die Frage auftauchen (wenn sie nicht schon längst besteht), wie wir rein digitale Werke "analogisieren" können, in einem solchen Masse, dass sie möglichst lange halten.

Hier gälte es, uns als Bewahrer der Geschichte (auch was heute geschieht, ist Geschichte) zu etablieren und (auch wenn mir dieses Wort nicht ganz zusagt) zu profilieren.

Auch wenn die Kostenloskultur gerne und regelmässig zitiert wird, so macht diese nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aus, viele sind bereit (auch mal etwas mehr) zu bezahlen, wenn sie darin einen Nutzen bzw. eine Mehrwert sehen.

Hier können wir alle daran arbeiten, diesen Nutzen/Mehrwert zu erzeugen und ihn auch der Bevölkerung, dem Steuerzahler (der wohl der Arbeitgeber vieler hier ist. Die Eidgenossenschaft, die Kantone, die Städte, die Gemeinden, sie sind nur die Verwalter, die "CEO", der echte Arbeitgeber, ist die Bevölkerung, der Steuerzahler) vor Augen zu führen.

Zusammengefasst, stellt sich uns allen eine Frage, wollen wir den Fortschritt behindern, dabei vielleicht sogar unsere Geschichte aufs Spiel setzen und mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit scheitern oder wollen wir den Fortschritt begrüssen, begleiten, fördern und gleichzeitig daran arbeiten unsere Geschichte so gut wie möglich zu erhalten auch über "the digital void" hinaus?

Ich danke allen, die bis hierher gelesen haben.

Ich möchte festhalten, dass dies meine persönlichen Ansichten sind. Sie müssen nicht der Wahrheit entsprechen und sie müssen nicht von jedem geteilt werden.

Freundliche Grüsse
Thomas Markus Bischofberger

 

 

Am 8. Januar 2013 11:05 schrieb Thomas Ehrsam <ehrsam@mug.ch>:

 

Das ist ja ganz wunderbar – einerseits. Andererseits: alle Bibliotheken, die bisher stolz waren, ‚DU‘ komplett zu besitzen, können den Bestand nun in einen Bunker verfrachten und diesen abschliessen. Und niemand muss seinen Hintern mehr lüpfen, altes Papier anfassen, daran riechen, sich anwehen lassen von einer anderen Zeit… Alles wird klinisch auf seinen nackten Informationswert reduziert und per Internet frei Haus geliefert – aber natürlich und ganz ohne Frage und ohne Ironie ist das sehr praktisch, und wer als Forscher ein solches Angebot nicht nutzt, ist selber schuld und allerdings blöd.

Was ich damit sagen will: Wir erkaufen die permanente Erreichbarkeit der Information (nicht nur in der Bibliothekswelt) ziemlich teuer mit einem massiven Erfahrungs- und Sinnlichkeitsverlust. Es mag durchaus sein, dass daran kein Weg vorbeiführt, aber wir sollten uns wenigstens bewusst machen, was wir tun, und dass nichts gratis ist, auch nicht das Gratis-Internet.

Und was die Bibliothekswelt angeht: wir sollten uns nicht vormachen, dass ‚alles‘ irgendwie weitergeht: wir sind daran, uns abzuschaffen – Informationsspezialist hin, Informationsspezialist her, Google und Co. können es bald besser. Und was sie nicht können, wird auch nicht mehr nachgefragt werden, ausser von ein paar Wenigen, die sich selber auf die Suche machen und unsere Hilfe nicht brauchen werden.

Die Zukunft der Bibliothek: 1 grosser Bunker auf dem Land, 1 Datenspeicher auf dem Land, 1 Saal mit Arbeitsplätzen für Studierende in der Stadt. Und dazu ein paar Büros für die Datenpflege.

 

Thomas Ehrsam

 

P.S: von wegen praktisch: nach einigem Blättern erhält man die Fehlermeldung: „HTTP Status 400 - An abnormal condition accurred: java.util.ConcurrentModificationException: null“.

 

 

 

Von: swiss-lib [mailto:swiss-lib-bounces@switch.ch] Im Auftrag von Bärtsch Christine
Gesendet: Montag, 7. Januar 2013 15:42
An: swiss-lib@switch.ch
Betreff: [swiss-lib] retro.seals.ch: neue Zeitschriften online

 

Auf retro.seals.ch sind weitere digitalisierte Zeitschriften im Volltext frei online zugänglich:

 

Du: die Zeitschrift der Kultur

1941 – 1964

1965 – 1966

1967 – 2012

 

Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Stiftung Rübel, in Zürich

1924 – 1959

1961 – 2002

 

Jahresbericht / Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften

=  Rapport annuel / Académie Suisse des Sciences Médicales

= Rapporto annuale / Accademia Svizzera delle Scienze Mediche

= Annual report / Swiss Academy of Medical Sciences

1944 – 1988

1988 – 1990

 

Bulletin de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles

= Bulletin der Naturforschenden Gesellschaft Freiburg

1879 - 2010

 

Mémoires de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles. Botanique

= Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Freiburg. Botanik

1901 - 1947

 

Mémoires de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles. Chimie

= Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Freiburg. Chemie

1900 – 1944

 

Mémoires de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles. Géologie et géographie

= Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Freiburg. Geologie und Geographie

1900 – 1947

 

Mémoires de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles. Mathématique et physique

= Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Freiburg. Mathematik und Physik

1904 – 1948

 

Mémoires de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles. Physiologie, hygiène, bactériologie

= Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Freiburg. Physiologie, Hygiene, Bakteriologie

1908 – 1923

 

Mémoires de la Société Fribourgeoise des Sciences Naturelles. Zoologie

= Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Freiburg. Zoologie

1907 – 1941

 

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Die Plattform retro.seals.ch ist der Server für digitalisierte Schweizer Zeitschriften aus den Bereichen Wissenschaft und Kultur. Zurzeit sind 200 Zeitschriften mit insgesamt rund 3 Millionen Seiten abrufbar. Das Angebot wird laufend erweitert.

 

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